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Großstädte in Deutschland - Siegen

Siegen ist eine Stadt in Westdeutschland, im Südosten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen (Südwestfalen). Die Universitätsstadt (12.200 Studenten im Wintersemester 2003/2004), Kreisstadt und größte Stadt des Kreises Siegen-Wittgenstein ist eines der Oberzentren des Landes im südwestfälischen Verdichtungsraum.

Die Einwohnerzahl der Stadt Siegen überschritt 1975 im Zuge der Gebietsreform die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde.

Geographie

Siegen liegt in einem von niederwaldbedeckten Höhen umkränzten und in zahlreiche radial ausstrahlende Nebentäler verzweigten Talkessel der oberen Sieg, inmitten des durch reiche, steilhängig-tiefe Zerteilung zu einem unruhigen Berg- und Kuppenland entwickelten Siegerlandes zwischen dem Westerwald im Süden, dem Sauerland im Norden und dem Rothaargebirge im Nordosten. Die durchschnittliche Höhenlage der Stadt beträgt rund 290 m. Der Waldanteil am Stadtgebiet beträgt über 50 %.

Die höchste Erhebung der Stadt ist der Gipfel Pfannenberg mit 499 m ü. NN an der südlichen Stadtgrenze. Der niedrigster Punkt der Stadt liegt mit 215 m ü. NN bei Niederschelden an der südwestlichen Stadtgrenze, die hier gleichzeitig die Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz ist.

Geschichte

Der Name Siegen geht auf dem Namen des germanischen Stammes der Sugambrer zurück, welche in der Region um die Stadt lebten. Erste Urkundlicher Erwähnungen des Ortes Sigena reichen bis in das Jahr 1079 zurück.

Im Jahre 1224 wird Siegen als eine aufs Neue erbaute Stadt erwähnt, die dem Grafen von Nassau, Heinrich der Reiche, vom Erzbischof Engelbert I. von Köln zum halben Miteigentum übertragen wurde. Zudem ist belegt, das das Obere Schloss zu dieser Zeit schon existierte. Stadtrechte bekam die Stadt am 19. Oktober 1303. Bis zum 1. Februar 1381 blieb die Stadt im Besitze zweier Eigentümer. Erst dann ging sie gänzlich in die Hände der Nassauer über.

Die Stadt Siegen bot im 16. Jahrhundert einen wehrhaften Anblick. Sie war von gewaltigen Mauern mit 16 Türmen und drei Stadttoren umgeben und besaß eine mächtige Burg. Die Stadt wurde von mehreren Stadtbränden heimgesucht. Urkundlich erwähnt sind die Brände von 1592 und vom 10. bis zum 20. April 1695.

Wilhelm der Reiche richtete im Jahre 1536 ein Pädagogium ein, aus dem das heutige Realgymnasium hervorgegangen ist. Johann der Mittlere errichtete im Jahre 1616 eine ritterliche Kriegsschule in dem noch stehenden alten Zeughause in der Burgstrasse ein. Er errichtete auch an der Stelle eines alten Franziskanerklosters das untere Schloss. Sein Sohn Johann der Jüngere trat 1612 wieder zur katholischen Kirche über, und wollte mit Gewalt den Rücktritt der Bürger zum Katholizismus erzwingen. Johann Moritz von Nassau-Siegen, der holländische Befehlshaber in Brasilien setzte ihn ab und es kam 1650-51 unter seiner Regierung eine Teilung des Siegerlands nach konfessionellem Unterschied zu Stande.

Unter Wilhelm Hyacinth kam es ab 1699 zu Gewalttaten zwischen beiden Konfessionen. Als am 29. März 1707 der Bürger Friedrich Flender zu Tode kam, wurde Wilhelm Hyacinth abgesetzt und verjagt. Mit ihm endete 1743 die katholische Herrscherlinie in Nassau-Siegen. Da mit Friedrich Wilhelm bereits 1734 auch die reformierte Linie erloschen war, übertrug Kaiser Karl VI. dem Prinzen von Oranien und Fürsten von Nassau-Diez, die Regierung. Unter ihrer Herrschaft blühte der Bergbau, die Hauptquelle des Wohlstandes, sowie der Acker-, Wiesen- und Waldbau auf. Als Fürst Wilhelm I. sich weigerte, dem von Napoleon gegründeten Rheinbund beizutreten, wurde er von diesem abgesetzt und das Siegerland fiel an das Grossherzogthum Berg. Nach dem Sturz Napoleons im Jahre 1813 kam Wilhelm Friedrich als König der Niederlande wieder in den Besitz seiner deutschen Erblande, die er aber 1815 an Preußen abtrat und im Gegenzug das Großherzogtum Luxemburg erhielt. Die Stadt wurde zunächst dem Regierungsbezirk Koblenz (Großherzogtum Niederrhein), 1817 jedoch der Provinz Westfalen zugeordnet und zugleich Sitz des Kreises Siegen. Unter der Herrschaft Preußens entwickelt sich Siegen zu dem heutigen Zentrum Südwestfalens. Am 1. März 1923 schied die Stadt Siegen aus dem Kreis Siegen aus und wurde eine kreisfreie Stadt, blieb aber Sitz des Kreises Siegen, der bei der Kreisreform 1975 mit dem Kreis Wittgenstein zusammen gelegt wurde. Der neue Kreis erhielt 1984 seinen heutigen Doppelnamen Siegen-Wittgenstein. Im Rahmen der Kreisreform 1975 verlor auch die Stadt Siegen ihre Kreisfreiheit, als sie (wieder) dem Kreis Siegen eingegliedert wurde.

Religionen

Die Stadt Siegen gehörte anfangs zum Gebiet des Erzbistums Mainz bzw. zu dessen Dekanat Arfeld. In der Stadt befand sich ein Weißnonnenkloster, das im 15. Jahrhundert eingegangen war. Ferner gab es ein Franziskanerkloster, das 1533, nach der 1530 von den damaligen Landesherren, den Nassauern, eingeführten Reformation, aufgelöst wurde. Danach war die Stadt zunächst lutherisch, doch trat das Fürstentum Nassau ab 1550 zum reformierten Bekenntnis über. Anschließend war Siegen eine überwiegend protestantische Stadt, doch konnte ab 1623 die Gegenreformation teilweise wieder Fuß fassen, so dass etwa 1/5 Siegens bzw. dessen Umland wieder katholisch wurde. Ab 1626 gab es auch wieder ein Kloster (Jesuitenkloster) in der Stadt. Nach dem Übergang an Preußen 1815 wurde in Siegen, wie in ganz Preußen, zwischen 1819 und 1835 die Union zwischen lutherischen und reformierten Gemeinden eingeführt, doch behielten die Gemeinden der Stadt ihr reformiertes Gepräge. Siegen als Teil der westfälischen Provinzialkirche (heute Evangelische Kirche von Westfalen), wurde Sitz einer Superintendentur. Heute bezeichnet man diesen Verwaltungsbezirk als Kirchenkreis, zu dem heute alle Kirchengemeinden der Stadt gehören, sofern es sich nicht um Freikirchen handelt. Der Kirchenkreis Siegen umfasst den gesamten südwestfälischen Raum bis nach Olpe.

Die Katholiken der Stadt gehörten auch nach der Reformation weiterhin zum Erzbistum Mainz. Mit der Neustrukturierung der Katholischen Kirche Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Siegen dem Bistum Paderborn zugeteilt und Sitz einer Kreissynode, heute Dekanat, zu dem alle Pfarrgemeinden der Stadt gehören. 1929 wurde Paderborn zum Erzbistum erhoben und damit Sitz einer eigenen Kirchenprovinz, dem die Bistümer Fulda und Hildesheim zugeordnet wurden. 1995 wurde das Bistum Hildesheim abgetrennt und der neuen Kirchenprovinz Hamburg zugeordnet. Das Erzbistum Paderborn erhielt dafür die neuen Suffraganbistümer Erfurt und Magdeburg.

Neben der römisch-katholischen Kirche gibt es in Siegen je eine griechisch-orthodoxe und eine rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde.

Ferner sind verschiedene Freikirchen in Siegen ansässig, darunter mehrere Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten), eine Evangelisch-Methodistische Kirche (Methodisten), eine Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK), eine Adventgemeinde, mehrere Freie Evangelische Gemeinde (FeG) sowie die Christliche Gemeinde Achenbach und die Christliche Versammlung.

Weitere Religionsgemeinschaften in Siegen sind die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die Jehovas Zeugen und die Urchristliche Gemeinde.

Wappen

Das Wappen der Stadt Siegen besteht aus drei Teilen. Im oberen Bereich wird der Bischof von Köln dargestellt, die Mauer symbolisiert die Stadt selber und im Tor ist der nassauische Löwe zu sehen. Die Farben blau und gelb sind die Farben des Hauses Nassau.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater

Mit dem Apollo-Theater (Umbau eines zentral in der Siegener Innenstadt gelegenen Kinos aus den 1930er Jahren, geplante Eröffnung Ende 2006) ist in Siegen einer der bedeutendsten Theater-Neubauten des laufenden Jahrzehnts vorgesehen. Seit 1992 ist das Medien- und Kulturhaus Lÿz Spielort für Kleinkunst, Kabarett, Musik und Theater in Siegen. Auf den zwei Bühnen finden je Saison ca. 150 Veranstaltungen statt.

Museen

Einen Besuch wert sind das Museum für Gegenwartskunst (Dienstag bis Sonntag 11:00-18:00 Uhr, Donnerstag 11:00-20:00 Uhr, montags geschlossen) und die Städtische Galerie Haus Seel (ständige Wechselausstellungen: Montag bis Freitag 14:00-18:00 Uhr, Samstag u. Sonntag 10:00-13:00 Uhr und 14:00-18:00 Uhr, montags geschlossen).

Gebäude

Obwohl die Stadt im Zweiten Weltkrieg zu rund 80 % zerstört wurde, hat sich Siegen einige Sehenswürdigkeiten bewahrt. So gibt es beispielsweise zwei Schlösser in Siegen

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Juni: Johannimarkt, Kirmes seit ca. 400 Jahren
  • August: SILA (Siegerlandschau), alle zwei Jahre
  • Sommer: Straßenfest auf dem Kornmarkt
  • Oktober: Bürgerfest
  • November: Geisweider Adventsmarkt, seit ca. 1985
  • Dezember: Weihnachtsmarkt, seit ca. 1980

Söhne und Töchter der Stadt

Die folgenden Personen sind in Siegen geboren. Ob sie ihren späteren Wirkungskreis in Siegen hatten oder nicht ist dabei unerheblich.

  • 1577, 28. Juni, Peter Paul Rubens, † 30. Mai 1640 in Antwerpen, Maler
  • 1790, 29. Oktober, Adolf Diesterweg, † 7. Juli 1866 in Berlin, Pädagoge
  • 1886, 17. November, Friedrich Middelhauve; † 14. Juli 1966, deutscher Politiker (FDP, MdB, MdL-Nordrhein-Westfalen, NRW-Landesminister für Wirtschaft und Verkehr, FDP-Landesvorsitzender
  • 1890, 13. März, Fritz Busch, † 14. September 1951 in London, Dirigent (zahlreiche Uraufführungen; Direktor der Württ. Staatstheater 1919-22, Generalmusikdirektor der Deutschen Staatsoper)
  • 1891, 8. August, Adolf Busch, † 9. Juni 1952 in Guilford, Vermont (USA), Komponist (Sinfonie, Klavier- und Violinkonzert, Kammermusik), Violinist
  • 1892, Walter Krämer, † 1941, Abgeordneter im Preußischen Landtag, Gerechter unter den Völkern
  • 1893, 23. April, Willi Busch, † 10. Mai 1951 in Köln, Schauspieler
  • 1895, 15. Juni, Paul Giesler, † Mai 1945 in Berchtesgaden, Ministerpräsident von Bayern 1942-45
  • 1896, 16. Februar, Dr. Michael Keller, † 7. November 1961 in Münster, Bischof von Münster 1947-61
  • 1896, 25. Februar, Heinrich Gontermann, † 30. Oktober 1917 in Marle, Militärpilot im Ersten Weltkrieg
  • 1897, 24. Juni, Hermann Busch, † 3.Juni 1975 in Bryn Mawr USA, Cellist
  • 1900, 28. Juni, Heinrich Busch, † 13.Februar 1929 in Duisburg, Pianist und Komponist
  • 1905, 16. Mai im Stadtteil Niederschelden, Lothar Irle, Siegerländer Heimatforscher und Schriftsteller
  • 1931, 20. August, Bernhard Becher, Fotograf (zusammen mit seiner Ehefrau Hilla Becher erhielt er zahlreiche Auszeichnungen; Hauptarbeiten: Industriebauten, Wassertürme)
  • 1963, 13. November, Kerstin Müller, Fraktionssprecherin der GRÜNEN im Bundestag (1994-2002)
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